Ehrenfeld's Kaugummiautomaten in der Hauptrolle eines Musikvideos

2012-11-06

Jens und Kerstin erzählen, wie sie in die Regisseuren-Rolle bei einem Lomography Workshop in Köln schlüpften und welche besondere Rolle die LomoKino beim Dreh des Musikvideos zu Ryan Davis’ “Where the right things are” spielte.

Foto aus dem Video Ryan Davis - Where the right things are

Erzählt uns ein bisschen über euch. Was macht ihr beruflich? Was sind eure Interessen?
Ich (Jens) bin Studierender an der Kunsthochschule für Medien Köln. Aktuell arbeite ich vor allem an skulpturalen Projekten, die sich auf menschliche und mediale Zeitwahrnehmung beziehen (aktuelle Arbeiten sind auf meiner Seite zu sehen: www.jens-standke.de). Ich (Kerstin) arbeite in einer PR-Agentur in Köln. Daher sind wir Wahlkölner und leben seit 3 Jahren hier.

Habt ihr schon vor eurem LomoKino-Video mit Lomographischen Kameras gearbeitet? Wenn ja seit wann und was gefällt euch an der Arbeit mir Lomographischen Kameras?
Wir haben eine Fisheye2, einen Action-Sampler, eine Pop 9, einen SuperSampler und eine Diana Mini. Am besten gefallen uns Bilder, die normale Sehgewohnheiten verzerren und Normales völlig anders wiedergeben. Das funktioniert mit den Lomos total einfach und schnell: die Fisheye wurde so auch zur allnächtlichen Begleiterin… Das hat uns dann zum Beispiel auch dazu gebracht, unsere Digitalkameras mit Kaleidoskop-Linsen zu modifizieren usw. Und wenn wir auf Reisen sind ist immer mindestens eine Lomo dabei.

Warum habt ihr euch entschlossen ein Musikvideo mit dem LomoKino zu drehen?
Auslöser war ein Weihnachtsgeschenk: Ein Gutschein für einen LomoKino-Workshop. Da hatten wir auch schon einen Plan von dem was wir vorhatten, aber dass wir das Material später für ein Musikvideo verwenden, war beim Dreh noch nicht klar – wobei der Lomo-Clip mit der Musik von Yacht schon sehr inspirierend war. Aber zu der Zeit war kein Clip länger als ein Kleinbildfilm, sprich nur knappe 30 Sekunden lang. Da war dann irgendwie der Gedanke da, das Material später mit einem Track zu verbinden. Aber richtig konkret wurde es erst später: Wir arbeiteten schon länger für das Kölner Technolabel Traumschallplatten. Die treten an uns heran, fragen, ob wir Lust haben einen Track zu visualisieren, dann hören wir uns die Stücke an, und entschließen uns einen Clip zu machen.
Somit war es für diesen Clip ein Zusammenkommen unterschiedlicher Komponenten und kein von vornherein konzipiertes Musikvideo. Somit haben wir ja auch Sequenzen nachgedreht…

Beschreibt die LomoKino in fünf Worten.
Inspirierend, Überraschend, Spielerisch, Analog, Vintage

Was mögt ihr an der LomoKino? Was sind ihre interessantesten Eigenschaften? Hat der Dreh Spaß gemacht?
Es war vor allem aufregend mit einem neuen Gadget aber mit alter Technik etwas zu gestalten. Vor dem Workshop, der überraschenderweise ein Schwarz/Weißfilm-Workshop war, hatten wir uns gut vorbereitet und zum Beispiel einen Plan der Kölner Kaugummi-Automaten erstellt. Unterwegs mussten wir dann erst mal einige Farbfilme und Kleingeld für die Automaten besorgen und uns natürlich mit den Kameras vertraut machen – danach lief alles ganz einfach!

Warum habt ihr ein Video für den Künstler Ryan Davis gedreht? Welchen Bezug habt ihr zu ihm? Könnt ihr uns ein bisschen etwas über ihn erzählen?
Die (Zusammen)Arbeit mit Traumschallplatten lässt uns bei der Gestaltung absoluten Freiraum: Wie schon oben gesagt, treten sie meist an uns heran, oder wir fragen an, ob es etwas zu tun gibt. Dann bekommen wir Stücke bzw. Künstler vorgeschlagen, die in der nächsten Zeit veröffentlichen. Der Macher des Labels hat dabei schon eine Auswahl getroffen, die unseren „Musik-Geschmack“ trifft – so wie der Platten-Dealer deines Vertrauens. In diesem Falle hat er uns das Album „Particles of Bliss“ von Ryan Davis vorgeschlagen, und nach dem Durchhören haben wir uns auf einen Track geeinigt, der uns direkt gefallen hat, der aber auch vom Label supported werde sollte. Einen direkten Bezug hatten wir zu Ryan Davis also nicht, aber die Musik, das Album und vor allem dieser eine Track haben uns so gut gefallen, dass wir gesagt haben „der ist total gut und dazu wollen wir gern was machen“. Traumschallplatten arbeitet schon sehr lange nach diesem Prinzip und überlässt den Video-Künstlern absolut freie Hand. Manche Musik-Künstler wollen dabei mehr Mitsprache beim Visuellen haben, andere gestalten die Videos auch selbst. Daher könnten wir nur etwas über die Musik sagen, aber da kann ja jeder selbst reinhören. :)

Ryan Davis - Where the right things are

Was hat euch zu dem Video inspiriert? Wie kam es zu der Idee?
Wir hatten das visuelle Material ja schon vorliegen und dann kam die Anfrage für den Clip. Die Stimmung von „Where the right things are“ trifft ziemlich genau das Verwunschene und Melancholische, was wir mit Kaugummi-Automaten und unseren Kindheitserinnerungen verbinden. Somit passte es für uns so gut zusammen, dass wir das analoge, springende Bild mit dem melodischen Track zusammen brachten.

Was war das Schwerste und das Schönste bei der Umsetzung eurer Idee? Entspricht das Video eurer ursprünglichen Idee oder hat sich diese im Laufe des Drehs verändert?
Das Schönste war das Machen an sich: Zusammen und mit der analogen Kamera durch die Stadt zu ziehen immer auf der Suche nach den alten, roten Kaugummi-Automaten zu sein. Denn trotz Recherche sind die Automaten nicht so leicht zu finden und so wurde der Ausflug auch zur “Jagd”. Die Bilder entsprachen fast genau unseren Vorstellungen. Aber aus dem ersten visuellen Ergebnis kam die Idee, das Video mit digitalen Bildern zu kombinieren, um eine Geschichte zu erzählen, die zwischen einem Vergangenen und einem Gegenwärtigen wechselt. Wenn wir etwas als “schwer” bezeichnen müssen, dann das Digitalisieren der Filme und das Einbinden in den Schnittworkflow: Das war schon aufwendig – verglichen mit dem rein digitalen Workflow.

Worum geht es in dem Song von Ryan Davis? Warum habt ihr diesen Song gewählt?
Für uns drückt er eine Stimmung aus: Er ist wie ein Soundtrack für das Zurückschauen, auf etwas, das man erlebt hat. Es ist eine angenehme Melancholie – man ist fast ein bisschen traurig und wehmütig, aber gleichzeitig denkt man auch gern an Erlebtes und die Erinnerungen zurück. Der Track ist sehr melodisch und hat einen guten Beat, er romantisiert die Erinnerungen.

Was wollt ihr mit dem Video ausdrücken? Worum geht es und was ist die Message? Beschreibt es ein bisschen.
So wie wir den Track empfinden, so wollten wir auch das Video gestalten. Das „alte“ analoge, wackelnde Bild der LomoKino ist wie dafür gemacht, etwas wie aus einer vergangenen Zeit darzustellen. Die aus dem Stadtbild verschwindenden Kaugummi-Automaten waren zudem ein mehr als passendes Sujet um das Feeling des Tracks „Where the right things are“ zu vermitteln. Denn jeder aus unserer Generation kennt die Aufregung von damals, wenn das Taschengeld im Automaten verschwand, man den Hebel drehte und voller Spannung die Klappe öffnete. Heute ist man nicht mehr so enthusiastisch dabei, sondern man erinnert sich vor allem daran, wie es früher war.

Was war euer witzigster oder interessantester Moment mit der LomoKino?
Das spannendste war für uns, als wir das erste Mal die bewegten Bilder sahen. Wenn man das „WYSIWYG“-Prinzip gewohnt ist, ist das analoge Arbeiten etwas ungewohnt.

Habt ihr Tipps für alle LomoKino User?
Einfach machen! Die LomoKino ist einfach zu bedienen, das Drehen macht Spaß und das Ergebnis ist aufregend und überraschend. Da man wegen des Lichts meist draußen dreht, ist es vor allem bei Sonnenwetter eine schicke Aktivität. Wenn man sich keine Kamera leisten will, einfach mal einen Workshop mitmachen! Und man sollte Durchhalten; bis man die Bilder wackeln sieht!

Tauche in eine ganz neue Dimension des Analogen ein, mit der LomoKino. Lomography’s eigene analoge 35mm Filmkamera, die dir erlaubt, Handlungen und Geschichten als Film festzuhalten! Mach 144 Einzelbilder auf einen handelsüblichen 35mm Film und erschaffe deine eigenen Meisterwerke. Du willst Filme auf die alte Art sehen? Es gibt auch ein LomoKino & LomoKinoscope Package!

geschrieben von vja am 2012-11-06 in #Videos #lifestyle #video #koeln #automat #musik #kaugummiautomat #kaugummi #ehrenfeld #musikvideo #videoclip #lomokino #ryan-davis #musikclip

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